Die erste Episode der Parade’s End-Verfilmung trifft den Nagel perfekt auf den Kopf, so hab ich mir beim Lesen der Bücher die Tietjens’ vorgestellt, ganz besonders Sylvia. Rebecca Hall stiehlt allen anderen mit Links die Show, ihre wunderbare Zicke muss man einfach lieben! Der Humor kommt auch nicht zu kurz, und in Benedict Cumberbatchs Christopher Tietjens hat man sich nach ziemlich exakt 8:30 Minuten schwer verguckt (wer nicht, hat kein Herz).

Kurz: ich möchte mal wieder die BBC knutschen. Ganz dolle :)

(via cumberbatchcoffeeklatch)

Lesestoff: Ford Madox Ford | Parade’s End (1924-1928)

Es kann sich wirklich lohnen, Fangirl-Oma zu sein, dann treibt einem die Neugierde angesichts anstehender Projekte der Angeschnurrten ab und zu auch zwar artfremden, aber dafür umso feineren Beifang in die Netze. In diesem Fall hat es sich mal wieder gelohnt, mit einem Auge die Machenschaften von Benedict Cumberbatch zu verfolgen, meiner neusten und trotzdem jetzt schon qualitativ ergiebigsten Obsession.

In der Verfilmung von "Parade’s End" spielt er Christopher Tietjens, den Romanhelden aka Fußabtreter der (nicht ganz so) feinen Gesellschaft der britischen Oberschicht kurz vor und während des ersten Weltkriegs. Selber dem Landadel zugehörig und als brillanter Statistiker für die Regierung arbeitend, ist Tietjens so ziemlich der einzige aufrechte Gentleman unter Lügnern, Betrügern und Ehebrechern mit großen Titeln und kleinem Gewissen. Dazu ist er mit seiner Gattin Sylvia gestraft, die ihn verachtet, betrügt und bei jeder Gelegenheit mit dem allergrößten Vergnügen fertig macht. Die (enthaltsame!) Beziehung zur jungen Suffragette Valentine Wannop bringt zwar ein wenig Licht in sein trübes, aber stoisch ertragenes Leben, trotzdem flüchtet er schließlich in den Krieg - in der dezent angedeuteten Hoffnung, dort möglichst zügig den Löffel abzugeben und endlich Ruhe zu haben.

"Some Do Not", das erste von vier Büchern, die "Parade’s End" zu einem Paket schnürt, habe ich durch und bin zutiefst begeistert. Meine anfängliche Befürchtung, durch gestelzte Dialoge etc. gelangweilt zu werden, hat sich schnell verflüchtigt und der Faszination für die eigenwilligen Charaktere und ihre Welt Platz gemacht. Neben reichlich Boshaftigkeiten und ihren Auswirkungen kommt ab und zu noch eine Messerspitze Humor dazu, die so mancher Garstigkeit noch einen passend absurden Anstrich gibt. Z.B. wenn Sylvia Tietjens sich wie eine entfernte Verwandte von Sherlock Holmes aufführt (sorry, der Schlenker musste sein):

"Being near Tietjens she lifted her plate, which contained two cold cutlets in aspic and several leaves of salad; she wavered a little to one side and, with a circular motion of her hand, let the whole contents fly at Tietjens’ head. She placed the plate on the table and drifted slowly towards the enormous mirror over the fireplace. ‘I’m bored,’ she said. ‘Bored! Bored!’ "

Und eins kann ich mit Sicherheit sagen: Tumblr steht ein wahrer Tsunami an Feels der Cumberbitches bevor, wenn das erst mal im Fernsehen läuft… Mein Wort drauf!